Spaß - ein Leben lang

Deutscher Fernsehpreis, bester Sport-Livekommentator – die Auszeichnungen, die Tom Bartels in seinem Berufsleben schon einheimsen konnte, sind beachtlich. Kein Wunder: Der Mann mit der markanten Stimme weiß, was Sache ist. Und macht, was er liebt! Begonnen hat alles aber ganz anders...

Heute sind Sie Sportkommentator, was die IHK ja nicht als Ausbildungsberuf führt. Es gab da aber auch noch eine ganz klassische Berufsausbildung, die Sie gemacht haben. Welche war das denn? Und wann und wo haben Sie die absolviert?

Ich habe nach dem Abitur am Gymnasium in Melle von 1986-1988 eine Ausbildung zum Sparkassenkaufmann bei der Kreissparkasse Melle gemacht.

Tom Bartels
Tom Bartels

Warum sind Sie da nicht dabei geblieben? Oder anders gefragt: Wie kam es zu dem Schritt, doch etwas ganz anderes zu tun?

Ursprünglich hatte ich schon vor in dem Bereich zu bleiben und eventuell BWL zu studieren, wohl weil so viele Mitschüler einen ähnlichen Weg gewählt haben. Während der Ausbildung ist mir aber mehr und mehr klar geworden, dass dieses Berufsbild nicht meinen Leidenschaften entspricht und ich nicht die Motivation gespürt habe, mich über das Ende der Arbeitszeit hinaus damit zu beschäftigen. Mein Bruder hat parallel zu meiner Ausbildung in Köln Sport studiert und mir davon vorgeschwärmt. Irgendwann habe ich ihn dann an der Sporthochschule mal besucht und wusste sofort, dass ich da auch hin will.

Sie haben sich entschieden, nach der Ausbildung doch einen anderen Weg zu gehen. Was raten Sie jungen Menschen, die vor der Entscheidung stehen, wie es nach der Schule weitergehen soll?

Ich habe meine Ausbildung und auch ein weiteres Jahr als Angestellter in einem Unternehmen nie bereut, weil ich in diesen insgesamt dreieinhalb Jahren sehr viel über die Arbeitswelt gelernt und erfahren habe. Mir hat das nach der Schule die Augen geöffnet und ich habe gleichzeitig erkannt, dass es mein Ziel sein muss, etwas zu finden, was ich mit Spaß mein ganzes Leben lang machen möchte. Die Bank könnte das nicht sein, so bin ich mit großer Überzeugung zum Sportjournalisten geworden.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie während Ihrer Ausbildung und der Zeit danach gemacht? Welche Erfahrung davon war dabei besonders prägend?

Besonders prägend war für mich die Zeit im Studium in Köln, wo ich sehr viele ähnlich tickende Menschen kennen lernen durfte. Mit einigen davon bin ich bis heute befreundet. Auch die ersten Monate beim WDR habe ich in guter Erinnerung. Ich hatte einen Studentenjob in der Sportredaktion – was die Hierarchie angeht also etwa gleichzusetzen mit einem Azubi in der Sparkasse. Ich wusste schon, wem man wann besser nicht widerspricht und wann es gefordert ist, einfach das zu tun, was der Vorgesetzte oder der Redakteur von mir will – auch wenn ich womöglich anderer Meinung war. Ich hatte eigentlich überall auch das Glück, auf Menschen zu treffen, die mich weiterbringen wollten und dafür bin ich bis heute dankbar.

Welche dieser Eigenschaften (Freundlichkeit, Emotionale Intelligenz bzw. Einfühlungsvermögen, Fachwissen bzw. gute Vorbereitung, Respekt bzw. Fair Play, Pünktlichkeit) sind am wichtigsten im Umgang mit der Deutschen Fußballnationalmannschaft bzw. dem Bundestrainer?

Ausnahmslos alle Eigenschaften sind Grundlagen für letztlich fast jeden Beruf, in dem man viel mit Menschen zu tun hat. Wenn ich einen Termin beim Bundestrainer habe, komme ich sicher nicht zu spät – ansonsten ist Fachwissen und gute Vorbereitung sicher die Basis für ein fruchtbares Gespräch. Es sind nicht alle Menschen gleich freundlich oder respektvoll, für mich gehört ein guter Umgangston und eine positive Einstellung anderen Menschen gegenüber aber unbedingt dazu.

Zu guter Letzt: Ihr Tipp an die Schülerinnen und Schüler für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf?

Für mich war es mit 19 Jahren schon nicht einfach zu entscheiden, was ich direkt nach der Schule machen will. Ich kann mir gut vorstellen, dass das heute für viele nach z.B. G8 noch schwerer ist. Ich würde allen raten, sich zu fragen:

  • Was macht mir wirklich Spaß?
  • Bei welchen Beschäftigungen schaue ich nicht auf die Uhr?
  • Möchte ich mit Menschen zu tun haben, brauche ich viel Kommunikation?
  • Was kann ich und wie kann ich mich verbessern, um das zu machen, was ich will – vielleicht noch ein Auslandsjahr einschieben/Sprachen lernen?
  • Wenn Studium - was kann ich parallel dazu machen, um meine Jobchancen zu erhöhen?
  • Welche Praktika (auch ohne Bezahlung!) könnten mir helfen?